"Das literarische Plastiksackerl"

Ausgabe Nr. 18 des Tiroler Literaturmagazins Cognac & Biskotten in Kooperation mit MPREIS

Cognac & Biskotten, das derzeit einzige Tiroler Literaturmagazin, feiert in diesem Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Seit 1998 erscheint Cognac & Biskotten zweimal pro Jahr. Die wichtigsten Merkmale dieses jungen, in der literarischen Off-Szene entstandenen Magazins sind Thema, Format und Präsentation, die Hand in Hand gehen.

Der Hauptunterschied zu konventionellen Literaturmagazinen ist sicherlich das sich von Ausgabe zu Ausgabe verändernde Format bzw. Trägermedium. Da wir thematisch arbeiten, also für jede Ausgabe ein neues Überthema suchen, soll sich auch dementsprechend die Gestaltung an das Thema anpassen. Außerdem soll der Ort der Präsentation zielgenau das Überthema vermitteln und den Inhalt unterstreichen.

Dieses Konzept der thematischen Verbindung von Format, Inhalt und Präsentation wird nun auch bei unserer kommenden Ausgabe Nr. 18 fortgeführt. Um diese Ausgabe realisieren zu können, haben wir das Unternehmen MPREIS als starken Projektpartner und Unterstützer gewinnen können.

Das Thema dieser Ausgabe Nr. 18, die passender Weise in der Vorweihnachtszeit erscheint, ist "Dekadenz & Askese" sein. Das Trägermedium bzw. Format dieser Ausgabe wird eine Tragetasche (=Plastiksackerl) sein, auf das die Texte aufgedruckt werden (selbe Machart wie bei konventionelle Einkaufstüten).

Das Plastiksackerl - Ein billig produziertes Wegwerfprodukt avanciert zum Trägermedium für Literatur und das in einer massenkompatiblen Auflage von 300.000 Stück.

Passender könnte das Format zum Überthema "Dekadenz & Askese" nicht gewählt sein. Ein Plastiksackerl ist einerseits ein sehr einfaches bzw. nahezu asketisch angehauchtes Objekt, andererseits kann so ein Sackerl auch etwas zu tiefst Dekadentes haben, wenn z.B. Dior- oder Chanel-Plastiktüten zu Kultobjekten mutieren bzw. Plastiksackerln an Hundebesitzer ausgegeben werden oder Terroristen Sprengstoff in Plastiktüten hochgehen lassen.

Das Plastiksackerl bzw. die Tragtasche geht auf eine Erfindung des Wiener Fabrikanten Max Schuschny vor über hundert Jahren zurück. Heutzutage werden davon allein in Deutschland 7.000 Stück pro Minute hergestellt. Es gibt unzählige Sammlerbörsen im Internet, wo Sackerln getauscht werden und es beschäftigen sich mittlerweile auch etliche Museen und Bücher mit der Bedeutung und der Geschichte der Tragetasche. Forscher der Universität Köln teilen Plastiktüten-User sogar in acht verschiedene Benutzertypen ein - von den "Ökologieorientierten" bis zu den "Kultivierten".

Dieser Gebrauchsgegenstand, der heutzutage vor allem auch als Werbeträger gilt, galt lange auch als Symbol für die Umweltverschmutzung durch die Konsumgesellschaft. Das ihm auch anhaftende billige Image wird oft versucht durch extravagante Designs zu kaschieren. Mittlerweile ist das Plastiksackerl als Modeaccessoire daher sogar gesellschaftsfähig geworden. Der kürzlich verstorbene "Opernführer der Nation" Marcel Prawy hatte seine "sieben Sachen" immer im Plastiksackerl an seiner Seite (wie auch Hermes Phettberg) bzw. archivierte in Tausenden von Tragetaschen seine Unterlagen.

Auch zahlreiche Kunstprojekte verpassen dem Plastiksackerl mittlerweile ein facettenreicheres Image und machen aus dem "ordinären" Einkaufsbegleiter ein Kunstobjekt. So hat der Schweizer Künstler Silvan Baer etwa ein 54 mal 54 Meter großes Bach-Porträt aus über 3.000 Plastiksackerln gestaltet. Modeschöpfer entwerfen Kleidungsstücke aus Plastiktüten und in Südafrika werden am Straßenrand gehäkelte Plastiktüten-Hüte oder -Fußmatten verkauft.

Ein Plastiksackerl in ein Kunstwerk zu verwandeln ist auch die Intention von Co & Bi.
Kaum ein Alltagsgegenstand ist besser dazu geeignet das Thema "Dekadenz & Askese" der neuen Ausgabe zu verkörpern. Ein Literaturmagazin in das Mann und Frau die erworbenen Waren steckt, ein Literaturmagazin das um wenige Cent an der Kassa erstanden werden kann. Ein Literaturmagazin, das zweckentfremdet wird bzw. dadurch erweiterte Funktionen erhält.

Das literarische Plastiksackerl - für den Lesehunger zwischendurch...

Unser Ziel mit dieser Ausgabe ist es nicht langweilige und konventionelle Pfade breitzutreten, sondern gemeinsam mit dem MPREIS Aufmerksamkeit und Neugierde zu schaffen bzw. echte Leidenschaft mit visionären Ideen und Gestaltungen zu paaren. Gerade auch mit dem Bewusstsein der Tradition im Gepäck, möchten auch wir festgefahrene Konventionen aufbrechen und mit individuellen Lösungen Geschmack machen auf unkonventionelle Gedanken.

Gerade bei dieser Ausgabe ist MPREIS prädestiniert mit Cognac & Biskotten gemeinsam zu agieren. Einerseits trägt das Unternehmen logistisch durch die über 110 Lebensmittelmärkte in Tirol sehr viel bei zur Verbreitung unserer Magazins. Andererseits setzt Cognac & Biskotten für MPREIS wertvolle Impulse in den Bereichen Kultur, Literatur und Jugend.

Diese Plastiksackerln - Ausgabe Nr. 18 von Cognac & Biskotten (und zugleich offizielles MPREIS-Sackerl bis ca. Ende Februar 2004) - können, wie konventionelle MPREIS-Einkaufstüten an den Kassen der MPREIS-Filialen erworben werden. Der Preis wird wie sonst auch üblich für die EinkäuferInnen gering bleiben.

Nun, die Auswahl der Texte ist bereits getroffen, denn bis zum Einsendeschluss am 15. Oktober 2003 flatterten 70 Einsendungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum in die Cognac & Biskotten - Redaktion. In einer über vierstündigen Redaktionssitzung wurden 12 Texte ausgewählt, die zum Teil von namhaften AutorInnen wie etwa Starautor bzw. Ex-Bachmannpreis-Jury-Vorsitzender Robert Schindel, Christine-Lavant-Preis 2003-Gewinnerin Barbara Hundegger oder passender weise auch von Hermes Phettberg stammen.

Das Layout bzw. die Gestaltung des "Literarischen Plastiksackerls" hat Barbara Jeller (arbeitete bereits architektonisch für MPREIS) gemeinsam mit einer MPREIS-Grafikerin übernommen. "Das literarische Plastiksackerl - Ausgabe Nr. 18 von Cognac & Biskotten zum Thema 'Dekadenz & Askese' " ging am Montag, den 17. November in Druck.

Die Präsentation dieser Ausgabe wird passenderweise in einem Supermarkt am 17. Dezember 2003 statfinden. Um 20.30 Uhr wird der MPREIS sprich SUPERM in der Erzherzog-Eugen-Straße 41 in Innsbruck mit Leseauftritten von Starautor bzw. Ex-Bachmannpreis-Jury-Vorsitzenden ROBERT SCHINDEL, sowie Christine-Lavant-Preis 2003-Gewinnerin BARBARA HUNDEGGER bzw. einigen Jung-AutorInnen ganz im Zeichen von "Dekadenz & Askese" stehen.