Gerhard Moser - zu verzichten, zu entsagen, zu erlösen

 

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Auftritt.
Sie tritt ein, streift den Mantel ab. Eine Stimme bleibt hinter ihr zurück, bricht ab. Sie schlüpft aus den Schuhen. Sie schließt die Augen. Öffnet sie. Setzt sich. Verschränkt Arme, Beine. Bereitet vor, was unverzüglich zu erledigen ist.

Der Raum.
Die Tür nun verschlossen, verriegelt. Der Apparat an, stumm. Licht. Sie.

Die Instrumente.
Ein Handtuch. Ein leeres Glas (geleert). Die eigens erworbene Klinge.

Das Schneiden.
Sich auf die Aufgabe konzentrieren (was unverzüglich zu erledigen ist). Ansetzen. Durchführen. Von links nach rechts. Erst langsam, dann schnell, dann schneller, dann kontrolliert. Bestimmt. Ruhig. 15 cm lang, 2 mm tief. 4 cm lang, 4 mm tief. 4 cm lang, 6 mm tief. Und so fort.

Der Körper.
Die Haut weich. Nachgiebig. Brüchig. Der Atem gepresst, angehalten. Frei. Die Stellen an den Armen. Voller Wärme.

Wiederholung, Variation, Auflösung.
Sich zurücknehmen. Sich zurückziehen. Sich reduzieren. Weniger, stets weniger.
Verzicht. Auf Menschen. Auf Nähe. Auf Schmerz. Stattdessen Linderung. Stattdessen Heilung. Stattdessen Erlösung. Friede.
Und keine Gründe. Keine Auslöser. Keine Schuldigen. Kein Draußen. Keine anderen. Keine Ablehnung. Keine Entfremdung. Keine Überwältigung. Keine Worte, keine Sprache, kein Selbst. Stattdessen Erleichterung. Stattdessen Bewältigung. Stattdessen Ruhe. Glück.
Ansetzen. Durchführen. Dann der nächste. Und der nächste. Und der letzte. Wie viele Male.

Rückkehr.
Die Tür verschlossen, verriegelt. Der Apparat an, stumm. Licht. Sie.
Eine Stunde, zwei verloren: der ruhigste Augenblick.
Anschließend faltet sie das Handtuch zusammen (zweimal), wischt sich ebenso oft den Unterarm ab, verschwindet im nebenan liegenden Badezimmer. Das Licht dort verlöscht nach einer Weile, sie kehrt zurück, den Arm sorgfältig verbunden, und geht zu Bett.
Der ruhigste Augenblick.