Hans Augustin
Feldpostkarte der Deutschen Wehrmacht
Sewastopol, 4. Juni 1942

Geliebte Edeltraud,
Seit zwei Tagen ist es hier ganz ruhig. Hin und wieder hört man ein Geschütz. Das ist gut. Man kommt auf den Gedanken, dass gar nicht Krieg ist. Ich nütze die Zeit, Dir zu schreiben, die Knöpfe, die abgerissen sind, wieder anzunähen, und die Blasen an den Füßen behandeln zu lassen. Es gibt zwar kein Brot, aber sonst täglich Pferdegulasch. Die Gegend hier steht voller Blüte. Und das Meer hat ein ganz wunderbares Blau. Wenn wieder Frieden ist, könnten wir hier einmal Urlaub machen.
Wie ist es bei Euch zu Hause? Hoffe der Winter ist vorüber und Hermann hat sich von seiner Krankheit erholt. Höhenluft würde ihm gut tun. Vielleicht könnt ihr im Sommer doch auf eine Alm gehen.
Bis bald. Ich umarme Dich und bin Dein einziger
Erich

Was die PK verschweigt ist die prekäre Situation der Roten Armee. Zwischen 7. Juni und 1. Juli erobert die Wehrmacht die Stadt, die dabei großteils zerstört wird. Es ist die letzte Postkarte, die seine Frau von ihm bekommt. Erich fällt beim Sturmangriff auf das befestigte Südufer der Sewernaja-Bucht.
Die Belagerung und Erstürmung von S. wiederholte sich 1944 mit umgekehrten Vorzeichen, nachdem die dt. 17. Armee (Jaenecke) im Dez. 1943 auf der Krim abgeschnitten worden war und Hitler eine rechtzeitige Räumung untersagt hatte. Am 8.4.1944 begann eine sowjet. Doppeloffensive mit der 2. Gardearmee (Sacharow) und der 51. Armee sowie der selbständigen Küstenarmee (Jeremenko) gegen die auf S. zurückgehenden dt. Truppen. Nachdem am 16.4. Jalta gefallen war, begann der Schlußangriff.

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