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Eine Nachbetrachtung von Co & Bi - Redakteur Florian Pranger: Cognac & Biskotten Ausgabe Nr. 25 Tirols ungewöhnliches weil unter anderem polymorphes Literaturmagazin feiert sich und sein 10-jähriges Bestehen mit der Juiläumsausgabe Nr. 25, der "Literarischen Straßenbahn". Geschmückt mit 33 Textzitaten, umrahmt vom Design des Cognac & Biskotten - Masterminds Thomas Schafferer und der Grafikerin Julia Riedl, bot die Garnitur Nr. 88 der Stubaitalbahn am Abend des 21. September 07 zuerst Raum und anschließend die Kulisse für Lesungen von Autorinnen und Autoren, die zum Thema "Haltestellen & Lebensläufe" kreativ geworden waren, und deren Beiträge auszugsweise auf genannter Straßenbahn und in voller Länge in einem 56 Seiten starken, parallel erschienenen Fahrplanheft nachzulesen sind. Haltestellen und Lebensläufe. Das ist ein umfassender Themenkreis, dessen Basis wohl durch kaum etwas anderes so gut versinnbildlicht wird, wie durch die Straßenbahn, die auf ihren Geleisen durch die Welt rattert, einmal zügig, dann wieder langsam, einmal vollgestopft mit Fahrgästen, dann wieder leer durch ebenso volle oder leere Straßen, die stehenbleibt, ihre Türen öffnet, schließt, wieder Fahrt aufnimmt und so weiter und so fort. Man könnte entgegnen, dass nur wenige Leben so verlaufen, als wären schon von Beginn an die Gleise gelegt gewesen. Nun, auch Straßenbahnen haben Unfälle, Schienen werden verlegt, es gibt Baustellen und Schlechtwetter. Und als beispielsweise der Schriftsteller Hartmuth Malorny in seinem Beitrag in der voll besetzten Garnitur Nr. 88 ein Stück seines früheren Lebens als Dortmunder Straßenbahnfahrer beschrieb, wurden diese Metaphern mit Gefühl gefüllt, man konnte als Zuhörer Teile des eigenen Lebenslaufes auf den Weg der Straßenbahn projiziert erkennen. Außerdem präsentierten Guy Helminger, Heinz D. Heisl, Georg Payr, Birgit Krenn, Thomas Schafferer, Chris Steeg und Gabi Wild, aufgelockert von humoresken Intermezzi des Koschuh, der sich der Veranstaltung als Moderator angenommen hatte, weitere, teils sehr spezielle, teils sehr subtile Aspekte des Seins in Straßenbahnen oder an Haltestellen, vermittelten gewisse Stimmungen, die viele von uns kennen, die direkt oder metaphorisch mit dem Stehenbleiben, dem Warten, dem Verpassen, dem Dahinfahren oder dem Aussteigen verbunden sind. Nach dieser "Lesereise der anderen Art", die sowohl vom Publikum als auch von den Aus-führenden begeistert aufgenommen wurde, kam die Garnitur Nr. 88 schließlich in der Straßenbahnremise der IVB zum Stehen, wo sie in weiterer Folge als Kulisse für nun auch musikalisch von Tonmeister Guggi umrahmte Lesungen von Texten aus den Federn von Guy Helminger, Heinz D. Heisl, Georg Payr, Michael Grabher, Silvia Hlavin, Hartmuth Malorny, Sabine Raml, Thomas Schafferer, Ursula Wiegele und Gabi Wild fungierte. Es wurde diesmal also auch in der Art der Ausgabenpräsentation - zweigeteilt, in einen bewegten und einen ruhenden Teil - die beiden Aspekte des Fahrens und des Haltens, des Fortbewegens und des Ruhens berücksichtigt. Die ungewöhnliche Atmosphäre und das einmalige, originelle Moment an diesem Abend wurden vom mit Cognac und/oder Biskotten verköstigten Auditorium spürbar aufgesogen, sodass gegen 00:00 Uhr begeisterte, von einem der wohl ungewöhnlichsten Abende ihres Lebens beeindruckte und inspirierte Menschen die Straßenbahnremise verließen. Die Literarische Straßenbahn lockt übrigens noch bis Mitte Jänner 2008 auf der Linie der Stubaitalbahn lasziv mit ihren 33 Textteasern. Das 56seitige Fahrplanheft liegt im IVB Kundencenter in der Stainerstraße 2 in Innsbruck auf.
DIE TRAM-FAHRT>>> Alle Fotos stammen von Florian Schneider (exklusiv für Co &
Bi), sowie von C.S. (Christine Schafferer), F.M. (Florian Mayr) und F.P.
(Florian Pranger). |