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Kritik
BUG/Hardcore, Skizzen vom
Aufbegehren und vom Scheitern
2006, Edition Foulland
(Keine Bewertung)
Das Grauen steckt tief im Unbewussten
Hardcore - das trifft die Sache gut. Monsieur Foulland führt
den werten Leser, die werte Hörerin mit diesem Machtwerk tief
in den Kaninchenbau hinab. Die Kombination aus Geschriebenem, Musik
und Videoclip lässt einen verstört zurück. This is
hardcore, baby!
What the hell? Als Germanist sucht man nach der Textaussage, die sich
aber nicht einfach erschließt. Am ehesten noch bei den ins Deutsche
übersetzten Lyrics der Innsbrucker Slowcore Band BUG. Die politischen
Statements sind hier glasklar formuliert und auch eine gewisse Melancholie
kommt einem vertraut vor. Was sich als Text noch recht unspektakulär
präsentiert, entfaltet sich jedoch in der langsam von hinten
wie durch einen Traktor angeschobenen Musik zu voller Pracht. Der
Traktor BUG sitzt auf schwerem Metall auf, hier wird herausgeschrieen,
was herausgeschrieen gehört. Die schwer dahinschleppenden Gitarren
setzen sich in Mark und Bein fest.
Die Texte von M. Foulland muten dagegen kryptisch an. Die unmittelbare
Wiederaufnahme einiger Wörter aus den Songtexten lässt nicht
den Schluss zu, dass hier über das gleiche philosophiert wird.
Mitnichten. Einzelne Fragmente der Lyrics werden aufgegriffen, aber
in einen völlig neuen Kontext gestellt. Zerstörung, psychische
Abhängigkeit, Krankheit, Machtmissbrauch. Wer M. Foulland kennt,
weiß, dass es ums Eingemachte, um die menschlichen Abgründe
geht. Einen Blick in die Videos "de anima I-V" bestätigen
dieses Bild. In schwarz/weiß gehalten und in einem leeren Zimmer
stehend, sitzend, kniend, verleiht M. Foulland seinen Texten eine
zusätzliche surreale Ebene.
Herr Edmund Reitter (1845 -1920) liefert mit seinen Käfern aus
dem deutschen Reich die Bebilderung des überdimensionalen Bocklets.
Diese passen gut ins morbide Ambiente. Dieses Machtwerk, erbrochen
auf die Käferstudien in einer einzigen Nacht, lässt einen
nicht mehr so schnell los. Den Liebesroman, wenn man es nicht schon
vorher getan hat, kann man getrost für ein paar Tage auf die
Seite legen. Die Skizzen des Aufbegehrens und Scheiterns berühren
Welten, die man sich wünscht, nie zu betreten, denen man sich
jedoch unweigerlich stellen muss. Früher oder später. Das
Grauen steckt eben tief im Unbewussten.
- Daniel Furxer
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