Literatur kann auch sexy sein: Ein Artikel von Django Tschoner "Entweder wir schmusen jetzt gleich oder ich geh mir noch ein Bier holen...", sagt der dunkelbraune Wuschelkopf zum blonden Jesus-T-Shirt-Träger, doch dann zieht der andere einen Zettel aus dem Hosensack und trägt ein Gedicht vor. Das Publikum applaudiert, denn es ist Co & Bi Poetry Party - Zeit in Innsbruck. Die zwei Moderatoren Martin Fritz (braun) und Stefan Abermann (blond) stehen in Flip-Flops auf den Brettern, die vielen eine Welt bedeuten. Sie sind zwei belesene Jungs, die mit allen Wassern gewaschen sind und sogar neben der Moderatorenschaft für diese Reihe des Tiroler Literaturmagazins Cognac & Biskotten ein eigenständiges Projekt namens "Wie krank ist das denn?" betreiben, wo sie eigene oder auch Texte von Bichsel bis Bohlen vortragen. Die zwei lässigen Boys gefallen zwar nicht jedem ob ihrer jugendlichen Unbekümmertheit im Umgang mit Literatur und Sprache. Sie verstehen es jedoch leger talkend durch den Abend zu führen und ihrer Rolle als Bindeglied zwischen Literatur und Musik gerecht zu werden. Vollkommen unverkrampft gehen es die beiden 21jährigen Germanistik- und Komparatistikstudiosi an und bedienen sich dabei inhaltlich am breiten Spektrum der Popkultur. Doch nicht nur Film-, Musik- und Literatur-Zitate bilden die Themen ihrer haarsträubenden Doppelconférence, auch Anmachsprüche und billige Scherzchen verbraten sie in ihren Bühnen-Smalltalk. What the Fuck sind Poetry Partys? Grundsätzlich geht es bei den Poetry Partys darum, dass junge AutorInnen vor Publikum in angenehmer Atmosphäre erstmals oder zum wiederholten Male ihre Texte lesen können. Davor und danach gibt es DJ-Sound. "Wir wollen beweisen, dass auch das geschriebene Wort für Partystimmung sorgen kann", so Moderator Abermann und Moderatorenkollege Fritz findet noch eindringlichere Worte: "Die Poetry Partys sind dazu da, um auf der Bühne mit den eigenen Texten so richtig ummerzuratteln".Seit gut 7 Jahren sorgt in Innsbruck das quirlige, schräge Literaturmagazin namens Cognac & Biskotten für Aufsehen und bereichert die etablierte Literaturszene mit seinen schrägen Aktionen, wie Lesungen im Supermarkt oder Fußballstadion inklusive Match zwischen Schriftstellern und Profisportlern. "Unser Hauptziel ist, dass Menschen, die vordergründig wenig mit Literatur am Hut haben, dafür zu begeistern", so Mag. Thomas Schafferer, der Co&Bi-Chefredakteur. Und eben ein weiteres Projekt in diese Richtung sind diese Partys im heurigen Sommer. "Die Cognac & Biskotten Poetry Partys sind bewusst als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu den monatlichen Poetry Slam-Aktivitäten in Innsbruck zu sehen", so Schafferer, der diese Reihe auch erfunden hat. Trashige Förderung von jungen Talenten! Durch den entspannteren Ansatz soll einerseits (nicht nur unerfahrenen) LiteratInnen der Stress genommen werden, sich beweisen und in Konkurrenz und Wettbewerb treten zu müssen. Andererseits ist auch das Publikum nicht gezwungen agieren zu müssen, kann sich zurücklehnen, leckere Drinks schlürfen und bei groovigen Rhythmen entspannen. Wie läuft so eine Poetry Party genau ab? Am Anfang und am Ende gibt es einen längeren Block, wo die DJs "Der Maurmixa" oder "Tonmeister Guggi" des kooperierenden Projektes "saegewerk soundsystem" quasi als Einstimmung bzw. als Ausklang unterschiedlichsten Sound auflegen. Dann folgen zwei oder mehrere Leseblocks, wo Lesewillige, aber auch Stargäste geballt ihre Texte zum Besten geben. Bei den ersten beiden Partys im Garten des Französischen Kulturinstituts bzw. in den PMK-Bögen lasen insgesamt 19 AutorInnen. Die Texte reichten von todtraurigen Liebesgedichten hin bis zu absurden, witzigen Kurzgeschichten. Die Poetry Partys sind also unterhaltend, beweisen jedoch auch Tiefgang. Zwischen den Leseblöcken gibt es dann wieder Sound sowie Zeit für Gespräche und Gemütlichkeit. Abschließend kann man zu den Poetry Partys 2004 auch sagen, dass das Publikum diese neue lässige Veranstaltungsidee enorm gut angenommen hat, weil knapp 700 Menschen den Weg zu den Events fanden. Bravo! |